DFG-Graduiertenkolleg
»Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit«
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    Veranstaltungen Vergangene Veranstaltungen 2009 Tagung Wissen – Märkte – Geistiges Eigentum 2009 Stand:  30.05.2013
 

Wissen – Märkte – Geistiges Eigentum

22./23. Mai 2009

Das Graduiertenkolleg veranstaltete am 22./23. Mai 2009 die Tagung Wissen – Märkte – Geistiges Eigentum.

 

Seit der Zeit, in der die Rechte des geistigen Eigentums ihre heutige Form gewonnen haben, haben sich die Rahmenbedingungen für die Entstehung von Wissen verändert. Neben horizontale Innovation, die in einem Unternehmen oder einer Forschergruppe stattfindet, tritt vertikale Innovation, die durch eine gleichzeitige Tätigkeit vieler Akteure gekennzeichnet ist. Neben die alleinige Urheberschaft tritt die kollektive Erstellung von Werken in Netzwerken wie Wikipedia. Das Internet erlaubt einen unmittelbaren Kontakt des Produzenten und des Rezipienten von Wissen und lässt so die Rolle von Informationsmittlern in neuem Licht erscheinen. Auf der Tagung werden Vertreter des Patent- und Urheberrechts in eine interdisziplinäre Diskussion mit Experten aus den benachbarten Sozialwissenschaften darüber eintreten, wie sich das geistige Eigentum auf die Entstehung von Wissen unter diesen veränderten Rahmenbedingungen auswirkt und welche Herausforderungen sich daraus für das Patent- und Urheberrecht ergeben.

 

Hier gelangen Sie zum ausführlichen Programm der Tagung.

 

Zu dieser Tagung wird ein Tagungsband mit den Beiträgen der Referenten und der Podiumsdiskussion erscheinen. Ein Tagungsbericht von S. Apel und M. Wießner ist in der JZ 2010, Heft 1, S.33–35 erschienen.

 

Zur Zukunft des Geistigen Eigentums:

Bayreuther Tagung diskutierte über Urheber- und Patentrechtsfragen

 

Aktuelle Entwicklungen und Problemstellungen im Urheber- und Patentrecht standen im Mittelpunkt der Tagung „Wissen – Märkte – Geistiges Eigentum“ an der Universität Bayreuth. Vom 22. bis 23. Mai 2009 erörterten namhafte Experten aus Wissenschaft und Praxis unterschiedliche Lösungsansätze für Herausforderungen, die ihre Ursache insbesondere in neuartigen Informations- und Publikationstechnologien sowie in Prozessen der Globalisierung haben. Zu der Tagung eingeladen hatte das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg „Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit“, aus dem seit 2006 zahlreiche, in der Fachwelt vielbeachtete Dissertationen hervorgegangen sind.

 

Ein interdisziplinäres Tagungskonzept

 

Die Tagung zielte darauf ab, schwierige Fragen auf dem Gebiet des Urheber- und Patentrechts aus rechts-, wirtschafts- und kulturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten und dabei Experten aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander ins Gespräch zu bringen. Zunächst wurde das Thema des Geistigen Eigentums unter kulturwissenschaftlich- historischen, ökonomischen und soziologischen Aspekten erörtert. Rückblicke in die Jahrhunderte seit der europäischen Aufklärung machten die geschichtlichen Voraussetzungen bewusst, aus denen die heutigen Herausforderungen im Urheberrecht entstanden sind.

 

„Mit diesem Ansatz wollten wir – bis hin zu grundsätzlichen Reflexionen über das „Wissen als Ware“ – den breiten Horizont vergegenwärtigen, in dem die Thematik des Geistigen Eigentums zu sehen ist. Wir wollten die Teilnehmer dazu anregen, aktuelle Problemstellungen aus einer interdisziplinären Denkweise heraus neu anzugehen und sich nicht vorschnell auf die eingefahrenen Wege juristischer Fachdiskussionen zu begeben“, erklärt Prof. Dr. Ansgar Ohly, der die Bayreuther Tagung mitorganisiert hat. „Dieses Konzept hat sich, als es dann um die Erörterung von Detailfragen ging, als sehr erfolgreich erwiesen. Nicht zuletzt unsere Nachwuchswissenschaftler haben viele Anregungen für ihre juristischen Promotionsvorhaben und Forschungsprojekte mitnehmen können.“

 

Kollektive Prozesse der Werkentstehung und Open-Access-Technologien:

Herausforderungen für das Urheberrecht

 

Das Internet stand in zweifacher Hinsicht im Vordergrund der Tagung. Das derzeitige Urheberrecht ist auf den individuellen Autor oder Künstler fokussiert, doch kollektive Prozesse der Werkentstehung gewinnen – wie das Beispiel Wikipedia zeigt – im Zeitalter der Open-Source-Community immer stärker an Bedeutung. Wie können und sollen unterschiedliche Interessen vieler, an demselben Werk beteiligter Autoren im Urheberrecht berücksichtigt werden? Auch der Umgang mit Open-Access-Technologien wurde intensiv diskutiert: Sollen wissenschaftliche Forschungsleistungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, künftig uneingeschränkt verfügbar sein, und muss das Urheberrecht geändert werden, um Hindernisse für Open-Access-Publikationen abzubauen?

 

Eine Podiumsdiskussion zu dieser Thematik verlief kontrovers: Prof. Dr. Rainer Kuhlen, Informationswissenschaftler an der Universität Konstanz, plädierte für eine entschiedene Förderung von Open-Access-Technologien und äußerte Zweifel daran, dass das heutige Urheberrecht den Belangen der Wissenschaft ausreichend Rechnung trägt. Dr. Johannes Fournier, Programmdirektor der DFG, hielt es dagegen für möglich und für wünschenswert, dass das Open-Access-Publizieren im Rahmen des bisherigen Urheberrechts und in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Verlagen weiterentwickelt werde. Die Vorteile des klassischen wissenschaftlichen Publizierens betonte Dr. h.c. Georg Siebeck, Inhaber des Verlags Mohr Siebeck in Tübingen, der dabei auf jahrzehntelange verlegerische Erfahrungen im Umgang mit Autoren verweisen konnte. Er sah aber durchaus Möglichkeiten einer punktuellen Zusammenarbeit mit Online-Anbietern. Prof. Dr. Axel Metzger von der Universität Hannover sprach sich wiederum dafür aus, das urheberrechtsgeschützte Verlagswesen und das Open-Access-Publizieren als unterschiedliche Modelle der Informationsverbreitung nebeneinander bestehen zu lassen. Letztlich solle der Wettbewerb entscheiden, welches der beiden Modelle sich durchsetzt.

 

Generell blieb die Frage offen, inwieweit sich der Gesetzgeber überhaupt darauf einlassen solle, mit Bezug auf das Internet technologiespezifische Regelungen zu treffen. Angesichts der hohen Innovationsdynamik waren sich alle Teilnehmer der Gefahr bewusst, dass Rechtsnormen, die auf bestimmte Technologien zugeschnitten sind, rasch veralten und insofern zur Rechtsunsicherheit beitragen statt diese zu vermindern.

 

Die neue Unübersichtlichkeit im internationalen Patentwesen:

Gefahren für die Handhabbarkeit von Schutzrechten

 

Vielfältige Entwicklungen haben in den letzten Jahren bewirkt, dass die Zahl der Patente weltweit stark gestiegen ist. Infolge der Globalisierung wird an weit entfernten Standorten an identischen oder verwandten Problemen geforscht. So wächst überall das Interesse, Ideen und Entwicklungen gegenüber möglicher Konkurrenz zu schützen. Hinzu kommt, dass Patente längst nicht nur zur Absicherung der eigenen Entwicklungs- und Produktionstätigkeit, sondern insbesondere in den USA auch als „bargaining chips“ eingesetzt werden: Die Vielzahl der Patente wird zum Instrument, mit dem sich große Unternehmen in Kooperationsverhandlungen einen Vorteil verschaffen. Die Probleme, die aus der zunehmenden Unübersichtlichkeit der Patentlandschaft für Erfinder und für klein- und mittelständische Unternehmen resultieren, waren während der Bayreuther Tagung Gegenstand lebhafter Diskussionen. „Alle Teilnehmer sahen übereinstimmend die Gefahr, dass das Patentwesen sich zu einem undurchdringlichen Dickicht auswächst“, berichtet Prof. Ohly. „Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass viele Wirtschafts- und Forschungspolitiker die bloße Anzahl von Patenten zum Indikator für die Leistungskraft eines Wissenschafts- oder Industriestandorts erklären. Von dieser ‚Tonnenideologie’ sollten wir uns verabschieden. Worauf es ankommt, ist eine übersichtliche Zahl starker, belastbarer Schutzrechte.“

 




Tagung Wissen – Märkte – Geistiges Eigentum

 

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