DFG-Graduiertenkolleg
»Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit«
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    Veranstaltungen Vergangene Veranstaltungen 2008 Blockseminar Wittenberg 2008 Stand:  29.05.2013
 

Blockseminar in der Lutherstadt Wittenberg

Am zweiten Aprilwochenende des Jahres 2008 (11. bis 13. April) fand das nunmehr vierte Blockseminar des DFG-Graduiertenkollegs "Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit" statt. Ort der Tagung war die Lutherstadt Wittenberg. Untergebracht waren die Teilnehmer des Seminars in den Räumlichkeiten der Leucorea, in denen auch die Vorträge zu einzelnen Dissertationsvorhaben der insgesamt rund 25 Kollegiaten gehalten wurden. Hierbei handelt es sich um die Räume der ehemaligen kursächsischen Landesuniversität Wittenberg, welche seit 1995 unter anderem als Tagungszentrum durch eine Stiftung des öffentlichen Rechts an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unterhalten wird.

Er√∂ffnet wurde das Seminar am Freitagnachmittag mit der Pr√§sentation einer bereits abgeschlossenen Dissertation zum markenrechtlichen Problem des vorgezogenen Werktitelschutzes. Jan G√∂rden besch√§ftigte sich mit der Frage, inwieweit durch eine Titelschutzanzeige bereits ein wirksamer markenrechtlicher Schutz z.B. eines Buch- oder Filmtitels begr√ľndet werden kann, obwohl sich das dem Titel zugrunde liegende Werk erst im Entstehen befindet. Legitimation, Funktion, Rechtswirkung und Voraussetzungen einer wirksamen Titelschutzanzeige wurden umfassend beleuchtet.

Der Samstag begann mit einem Referat von Franz Hofmann √ľber die Frage der Anerkennung und die m√∂glichen rechtlichen Konsequenzen und Besonderheiten des Markenanwartschaftsrechts. Nach einer kurzen Pause widmete sich der anschlie√üende rechtshistorische Vortrag von Alexander Schmidt, LL.M. dem Erfinderprinzip und Erfinderpers√∂nlichkeitsrecht im deutschen Patentgesetz von 1877 bis 1936. Die Entwicklung des Rechts der Erfinder in der Weimarer Republik, ein Teilaspekt der Dissertation, wurde eingehend dargestellt.

Die Anf√§nge und Ursachen der Diskussion √ľber den B√ľchernachdruck im 18. Jahrhundert waren Thema des ersten Beitrags am dritten Tag der Veranstaltung. Ulrike Andersch stellte heraus, dass diese Frage zun√§chst nicht etwa von juristischer Seite, sondern von Schriftstellern wie beispielsweise Gotthold Ephraim Lessing und vor allem von Verlegern der damaligen Zeit aus √∂konomischer Sicht aufgegriffen und erst sp√§ter "verrechtlicht" wurde. Den Schlusspunkt setzte ein Vortrag √ľber eine ebenfalls bereits abgeschlossene Dissertation. Tobias Timmann setzte sich mit der Frage auseinander, ob das Patentrecht als Bestandteil der verfassungsrechtlichen Institutsgarantie des Eigentums angesehen werden muss. Der Referent bejahte dies und zog verschiedene Eigentumstheorien und vor allem das Kriterium der pers√∂nlichen Leistung des Erfinders als Begr√ľndung seiner Ansicht heran.

Im Anschluss an die Vortr√§ge stellten sich die Referenten eine Stunde lang der Kritik und den Fragen der Professoren und Kollegiaten. Auch wenn die Ans√§tze der vorgetragenen Arbeiten nicht gleich den Z√ľndstoff lutherischer Thesen innehatten, waren sie doch in der jeweils anschlie√üenden lebhaften Diskussion heftig umstritten und Gegenstand zahlreicher Wortmeldungen aus dem Auditorium. Der ein oder andere Referent konnte hier noch einige Anregungen und Ideen f√ľr seine Arbeit gewinnen. Am Ende der Tagung attestieren Prof. Dr. Diethelm Klippel, der Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Ansgar Ohly, der stellvertretende Sprecher, und Prof. Dr. Peter Heermann sowohl den Vortr√§gen, ganz unabh√§ngig vom aktuellen Bearbeitungsstand der jeweiligen Vorhaben, als auch den anschlie√üenden Diskussionsrunden ein hohes wissenschaftliches Niveau.

Nicht unerw√§hnt bleiben soll in diesem Zusammenhang auch der kulturelle und gesellige Teil der Veranstaltung. So wurde der Freitagabend dazu genutzt, das Wittenberger Bier einer Qualit√§tskontrolle im √∂rtlichen Brauhaus zu unterziehen, derweil das Abendessen am Samstag in einem Hotel eingenommen wurde, das schon Goethe seinerzeit besucht hatte. Besonders hervorzuheben sind jedoch die F√ľhrungen durch das Martin-Luther-Haus und die Innenstadt von Wittenberg unter der fachm√§nnischen Leitung von Herrn Dr. Martin Treu, einem promovierten Theologen und Bereichsleiter Ausstellungen und Vermittlung des Lutherhauses, bzw. Herrn Prof. Dr. Heiner L√ľck, Inhaber des Lehrstuhls f√ľr B√ľrgerliches Recht, Europ√§ische, Deutsche und S√§chsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universit√§t Halle-Wittenberg, am Samstagnachmittag. Die wenigsten Besucher der Stadt d√ľrften wohl das Vergn√ľgen haben, derart unterhaltsame und vor allem auch profunde Erl√§uterungen der jeweiligen Lokalit√§ten und der Geschichte der Reformation in Wittenberg, der Stadt und der Universit√§t Wittenberg zu erhalten.



Die Teilnehmer des Seminars auf den Stufen des Wittenberger Rathauses

 

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